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Jasmin Tabatabai & David Klein Orchester- Eine Frau
...und was für eine!
Spätestens seit dem Roadmovie „Bandits“ und diversen Band- und Solo-Projekten in Rock und Country kennt man Jasmin Tabatabai als hervorragende Sängerein und Songschreiberin. Mit ihrem neuestes Album nähert Sie sich allerdings wieder ihrem Hauptberuf, der Schauspielerei. Diese Lieder im Stil zwischen Chanson und Jazz erzählen gekonnt kleine Geschichten eher melancholischer Natur. Neben solchen Klassikern wie „Kann denn Liebe Sünde sein“ und Tucholskys „Augen in Großstadt“ findet sich unter anderem auch ein weitgehend unbekanntes Lied des frühen Reinhard Mey. Alles wird auf absolut eigene Weise interpretiert immer fein zwischen Rezitation und gekonntem Jazz-Feeling abwägend, die die großen Vorbilder schnell vergessen lässt. Man hört ganz gut dass der Arrangeur Lutz Krajenski auch mit Roger Cicero arbeitet, aber während es bei Ciceros Bigband in die vollen geht finden sich hier fast ausschließlich behutsame Arrangements, gespielt vom hervorragendem Orchester des Schweizer Produzenten David Klein. Ist auf jeden Fall zu empfehlen für den kommenden Herbst und für Jasmin-Fans swieso.
Eine Frau

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Rebecka Törnqvist - Scorpions

Impulse to aktion
War Rebecka Törnqvist in den 90ern eine der erfolgreichsten Jazzstimmen Schwedens, so scheint der Boom der  Skandinavische Jazz-Diven einwenig an der 45jährigen vorbeigegangen zu sein. Klassischer Jazz war dabei ohnehin nie Ihr Metier, sondern eher die beliebte Mischung aus Pop, Blues und Jazz. Von letzterem ist bei der neusten Produktion nun überhaupt nichts mehr zu hören. Rückgriffe auf 70er Gute-Laune-Pop der Spaß macht natürlich begleitet von den sehnsüchtigen Balladen bis hin zu psychedelischem. Macht meistens Spaß beim Zuhören.

 

Scorpions

 

 

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Anat Fort Trio – And If

Ruhig und doch voller Spannung
Nach dem aufsehenerregenden Debüt bei Label ECM von 2007 ist der Nachfolger nun eine klassische Trioplatte, auf der die wunderbare Symbiose aus amerikanischen und orientalischen Einflüssen gelungen fortgesetzt wird. Dominierte damals noch der überragende Schlagzeuger Paul Motian, dem auf diesem Album zwei Stücke gewidmet sind, so musiziert Anat Fort hier mit Ihrem New Yorker Trio, zu dem übrigens auch der Heidelberger Drummer Roland Schneider gehört. Obwohl die Vorbilder wie Keith Jarrett und Bill Evans keinesfalls zu überhören sind entstehen hier neue Klänge voller Schönheit und Poesie.

 

And If

 

 

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Pink Martini - Joy To The World
Weihnachten in den Zeiten der Globalisierung
White Christmas auf japanisch, Stille Nacht auf deutsch und arabisch? Vielleicht müssen ja Weihnachtsalben, die auf der Höhe der Zeit sein wollen so klingen. Wie sich ja das Weihnachtsfest immer Mehr von seiner christlichen Botschaft löst und zu einem globalen Friedens- Freuden- und Konsumfest wird, so kann ja die gute Botschaft auch musikalisch universell transportiert werden. Die 12-köpfige Kapelle aus Portland/Oregon um den Pianisten Thomas M. Lauderdale und die Sängerin China Forbes tut dies mit soviel Charme und Swing, dass es richtig Spaß macht, die wahrlich abgenudelten Weihnachtsklassiker wiederzuhören. Alles wird vom lockeren Pink Martini-Sound zusammengehalten bei dem auch besinnliche Passagen nicht zu kurz kommen. Die Samba-Parade zu 'Auld Lang Syne' lässt uns aber schon wieder an den nächsten Sommer denken.
 
Joy to the World

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Youn Sun Nah - Same
Nicht ganz dasselbe Mädchen
Wenn sich die bekannten Jazz-Label immer öfter Stilrichtungen öffnen, die in diesem Umfeld früher nicht üblich waren, so mag das wirtschaftliche Gründe haben. Dies führt aber auch dazu, dass sich Stile und Klangfarben immer mehr auf eine Weise mischen, wie sie der heutigen globalisierten Welt entspricht. Siggi Loch’s ACT-Label, der den skandinavischen Jazz bei uns heimisch machte, mag hierfür ein gutes Beispiel sein. Bei Nah Youn Sun geht er noch einen Schritt weiter, denn hier verbinden sich koreanische Folklore mit französischen Chanson und klassischem Jazz. Beigleitet wird die 1969 in Seoul geborene Youn Sun Nah von ACT-Heroen wie Lars Danielsson am Bass, vor allem dem grandiosen Gitarristen Ulf Wakenius, der sie auch auf Ihren Konzerten begleitet. Beeindruckend ist die sowohl stilistische als stimmliche Bandbreite, die vom zarten fast zögernd gehauchten nur auf der selbst gespielten Kalimba begleiteten ‚Same Girl’ von Randy Newman bis hin zu expressivsten Ausbrüchen im Metallica-Kracher ‚Enter Sandman’ reicht. Beeindruckend in Ihrer Vielfältigkeit, so dass der Name des Albums im Gegensatz zum eher homogenen Debüts ‚Voyage’ wohl programmatisch verstanden werden kann.
 
Same Girl
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Robert Plant - Band Of Joy

Dieser Herbst schein wieder mal die Zeit der Alterswerke zu sein.
So erfreut uns nun nach Phil Collins und Eric Clapton nun auch Robert Plant mit einem Rückgriff auf die Anfänge seiner Musikerkarriere. Aber hier entsteht kein sentimentales Retro-Album sondern eine hörenswerte Synthese aus Country- und Rockelementen die so noch nicht zu hören war. Der Name des Albums bezieht sich auf die Band, mit der Plant als 17jähriger begann Rockmusik zu machen. Damals schon an seiner Seite der spätere Jahrhundert-Schlagzeuger John Bonham. Wer nach seinem grammyüberhäuften Erfolgsalbum „Rising Sand“ von 2007 etwas ähnlich erwartet hat wird nur zum Teil enttäuscht denn hier ist der Bogen größer gespannt, von Beatles-Anklängen (auch im Titel „You Can't Buy My Love“ ) bis zum überragenden "Silver Rider", der an beste Zeppelin-Zeiten erinnert. Auch die Country-Music kommt natürlich nicht zu kurz. Beeindrucken hier in seiner Düsternis „Satan Your Kingdom Must Come Down“. Dieses Album lässt in seiner Vielschichtigkeit und Reife noch viel von Robert Plant erwarten

 

Band of Joy

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Richard Galliano - Bach
Bach auf dem Akkordeon
hört man sicher nicht alle Tage. Vielleicht begegnet einem manchmal in der Fußgängerzonen ein begnadeter osteuropäischer Virtuose, der scheinbar den gesamten abendländischen klassischen Kanon auf seinem Schifferklavier rauf und runterjazzt, dass einem das Blut in den Adern gefriert. Daran erinnert diese Aufnahme sicher vor allem deshalb, weil hier die übliche Bach-Hitparade gespielt wird von der Orchester- über die Cellosuite bis zu sattsam bekannten und beliebten Violin- und Oboenkonzerten. Trotzdem klingen diese alten Bekannten in diesem ungewöhnlichen Kontext ungewöhnlich und auch schön, am ehesten an Orgelmusik erinnernd. Dies liegt sicher auch daran, dass Richard Galliano, der ja eigentlich von Jazz und Musette herkommt (besonders bei der Cellosonate) die Genregrenzen zu überwinden sucht und seinem Gegenstand spieltechnisch virtuos voll gerecht wird.
 
Bach
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Concha Buika - El Último Trago (Con Colaboracion de Chucho Valdes)
Eine schöne Gelegenheit dem vergangenem Sommer hinterherzuträumen
ist dieses Album mit Interpretationen von Liedern der mexikanischen Gesangslegende Chavela Vargas. Das liegt besonders daran, dass Buika nur vom Trio des kubanischen Weltklasse-Pianisten Chucho Valdés begleitet wird, das zusammen mit der gänsehauterzeugenden rauen Stimme der 38jährigen Spanierin mit afrikanischen Wurzeln, die unter Zigeunern aufgewachsen ist, dem Ganzen eine wunderbare buenivista-hafte Mischung aus Leichtigkeit und Schwermut verleiht.
 
El Ultimo Trago(Con Colaboracion de Chucho Valdes)

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Herbie Hancock - The Imagine Project
Spätestens seit „Thriller“ von Michael Jackson
dürfte bekannt sein, dass Herbie Hancock kein knochentrockener Jazzer ist, sondern die zeitgenössischen musikalischen Strömungen wie kein anderer aufnehmen und zusammenführen kann. Daran hat sich bis heute nichts geändert genauso wenig wie die Ursachen, die John Lennon zu Imagine inspiriert haben. Umso folgerichtiger wieder einmal Musiker verschiedener Generationen und Stilrichtungen zu versammeln die vor allem die Tatsache vereint dass alle absolute Profis sind und diesmal ohne die we-are-the-world-duseligkeit der 80er.  Ob die Titelauswahl immer sonderlich originell ist, kann durchaus bezweifelt werden aber hier wird vor allem gute Musik gemacht, die Jazz, Pop, Soul und Weltmusik aufs Beste miteinander verbinden. Mit dabei: Anoushka Shankar, Seal, Jeff Beck, Pink, James Morrison, Los Lobos, Wayne Shorter, Chaka Khan, Lisa Hannigan, John Legend und Andere.
The Imagine Project

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Peter Gabriel - Scratch My Back
Wenn Peter Gabriel Randy Newman singt klingt das fast wie Tom Waits
Diese Aufnahmen sind einfach umwerfend obwohl keine davon von Peter Gabriel selbst stammt. Was umso mehr verwundert da bisher eigentlich keine Coverversion anderer Interpreten von Gabriel bekannt sind. Auswahl und Interpretation sind extrem organisch aufeinander abgestimmt. Nix mit E-Gitarre und Schlagzeug! Stimme + Klavier + Orchester, fast schon klassische Musik. Dabei wird auch manche Kante der Originale abgehobelt, wie zum Beispiel bei Lou Reeds etwas chaotischem 'Power of the Heart', das plötzlich im Kleide von ergreifender Schönheit und Tragik daherkommt und Regina Spektors Apres Moi musste ohne die Zeilen von Boris Pasternak auskommen, die aber ohnehin keiner versteht, da ja im Original auf russisch gesungen. Ergreifend auch 'My Body Is A Cage' (Arcade Fire) und 'Street Spirit' (Radiohead) ohne die pubertäre Schwermut der Originale. Bei einigen Stellen fühlt man sich an frühe Genesis-Aufnahmen erinnert. Mit dieser Platte ist Peter Gabriel im Kreise der reifen Song-Interpreten ohne Stimme angekommen (Siehe oben).
 
Scratch My Back


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Gunter Gabriel - Sohn aus dem Volk
'German Recordings' geht gar nicht,
weder als ironische Anspielung noch als Anspruch. Natürlich wollte Gunter Gabriel immer der deutsche Johnny Cash sein aber besser war er immer er als der deutsche Gunter Gabriel. ‚Vor Dir steht im Regen was von mir übrig ist...’ und dass ist nach einem wahrlich turbulenten Leben gottseidank noch eine ganze Menge. Anders als Westernhagen mit seinen pseudopoetischen Plattitüden hat ja Gabriel wirklich was zu sagen und vor allem zu singen. Von der Last aller Schlager- und Macho-Attitüden befreit gehen diese Songs als etwas frühes Resümee in Ihrer Klarheit  und Direktheit wirklich unter die Haut. Über den Einsatz von Streicherteppich und Backgroundchören kann man geteilter Meinung sein. Spätestens hier werden die Pfade von Johny Cashs grandiosem Spätwerk verlassen, nicht unbedingt zum Schaden dieser grandiosen Produktion. Zumal Wolfgang Stach nun wirklich kein Rick Rubin ist. Schade vielleicht dass Gabriel nicht wenigstens einen seiner alten Songs neu aufgenommen hat statt des überflüssigen Peter-Fox Übergriffs, von dem sich ja erst noch herausstellen wird ob den in 40 Jahre überhaupt noch jemand kennt. Was macht eigentlich Steffan Waggershausen?
 
Sohn aus dem Volk - German Recordings


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Yasmin Levy - Sentir
Flamenco an der Klagemauer
Gelungene Verbindung von klassischen sephardischen mit vielfältigen europäischen (besonders spanischen) und nordafrikanischen Musikstilen. Jasmin Levi lebt in der zerrissen Stadt Jerusalem, wo sich die Wege der drei großen monotheistischen Weltreligionen kreuzen. Und so ist es kein Wunder, dass die Tochter eines aus Izmir nach Palästina eingewanderten Kantors in der sehphardishen Tradition auf der Such nach gemeinsamen Wurzeln und somit auch nach Verbindendem ist. Auch Lieder befreundeter Songwriter finden sich auf dieser Platte, so das fast zu Tode interpretierte Halleluja von Leonard Cohen diesmal in einer Flamenco-Version. Weltmusik im besten Sinne, da sich hier Morgen- und Abendland christliche, jüdische und orientalische Traditionen auf homogene Weise verbinden.
 
Sentir

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Albrecht Mayer - Bach
Abgesehen von seinem Instrument hat Pfeil Albrecht Mayer zwei weitere künstlerische Leidenschaften: Bachs Musik und die menschliche Stimme. Mit dieser Aufnahme konnte der weltweit gefeierte deutsche Oboist im Zusammenwirken mit The English Concert und dem Trinity Baroque Chor diese Aspekte der Musik auf einem Album vereinen. Nach seinem erfolgreichen ersten Bach-Album "Lieder ohne Worte" verleiht Mayer mit dieser Aufnahme nun den Kantaten und Chorälen J.S. Bachs festlichen Glanz. Da seine Musik zeitlos und emotional berührend ist, spricht sie nicht nur Klassikliebhaber an, sondern ein weitaus größeres Publikum.
Universal Music Classics & Jazz
 
Bach-Werke für Oboe und Chor (Deluxe CD & Dvd)
 
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Amee Allen - Little Happiness
Ohne Haarspray
Singer/Songwriter-Album, dessen Stil man am besten mit Folk-Reggae bezeichnen könnte. Für alle geeignet, die den Sommer noch etwas nachklingen lassen wollen. Wer Aimee Allen aus dem Soundtrack von “Hairspray” kennt wird sich wundern, das dies hier eher folkig-lässig klingt, vielleicht am ehesten mit Jack Johnson vergleichbar.
 
Little Happiness

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Alela Diane - To Be Still

 Klassisches Folk-Album dem die shärische psychedelische Note der sonstigen New-Folk Heroen a la Devendra Bernhardt oder Joanna Newsom (mit der sie auch befreundet ist) fehlt. Es sind eher melancholische, unaufgeregt gesungen Lieder, der ein wenig mehr Instrumentales Umfeld gestattet wurde als dem etwas spröden Debüt ‚Pirate's Gospel’ von 2006 und deren Stil sie selbst mit Gospel-Folk beschreibt.

To Be Still

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George Harrison - Let It Roll

Endlich ein Best Of, dass diesen Namen verdient
Dass die Trennung der Beatles auch eine Befreiung gewesen sein muss lässt sich daran ablesen, dass George Harrison schon 1970 mit einem Dreifachalbum (dem ersten der Rockgeschichte) an die Öffentlichkeit trat, dass randvoll mit allerbestem Material war, unter anderem dem Megaseller 'My Sweet Lord'. Da war hinter den Egomanen Lennon und McCartney einiges auf  der Strecke geblieben was nun an Tageslicht drängte. So erschienen in der Post-Beatles Ära, die im Dezember 1980 ihr schreckliches Ende fand, noch einige wunderbare Alben bis es Anfang der 80er Jahre allmählich stiller um Georg Harrison wurde, bis zur Wiederauferstehung in den Reihen der Veteranen-Kapelle Traveling Wilburys.
Was es bisher merkwürdigerweise noch nicht gab, ist ein Best Of Album, dass diesen Namen wirklich verdient. Aber das Warten hierauf hat ein Ende, denn hier ist es! Zusammengestellt von seiner Frau Olivia und nach dem heutigen Stand der Technik remastered von Giles Martin, dem Sohn des Beatles-Entdeckers und genialem Tonmeister George Martin in den Londoner Abbey Road-Studios. Seinen oft unterschätzten Platz innerhalb der Fab Four wird hier mit zwei Ausschnitten aus dem legendären Bangla Desh-Konzert Rechnung getragen ('While My Guitar Gently Weeps', 'Something' und 'Here Comes The Sun'). Ansonsten sind die alten Aufnahmen behutsam entstaubt und transparenter geworden. Bei der Menge des Material ist es natürlich schade, dass es kein Doppelalbum geworden ist, so muss man also doch wieder selber mixen.

 

Let It Roll-the Songs of George Harrison
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Leonhard Cohen - Live in London
The London Recodings
Man hätte ja auch ins Studio gehen können und altersweise und schicksalumflort die alten Songs im spärlich arrangiertem Gewande als Lebewohl an die Welt ins Mikrophan raunen können. Hätte man, aber so hoch sollte die ganze Sache gar nicht aufgehägt werden. Der Mann hat sich, zur heutigen Zeit passend,  einfach an der Börse verzockt und da man mit Tonträgern heute kein Geld mehr verdienen kann, wurde es halt eine Tounee, die für alle, die das Glück hatten dabei sein zu dürfen, zur Sternstunde wurde. Alle Songs, besonders die so grottig produzierten aus den 80ern wurden hier in ihrer ganzen schöheit vor der andächtig lauschenden Gemeinde ausgebreitet. Man kann Leonhard Cohen ja als einen früh gereiften bzeichnen, der mit Ende 20 schon etwas altersweise klang, was damals manchmaletwas aufgesetzt wirkte. Die Zeit haben dieses Liedern gut getan und es bedarf keiner interpretatorischen Mäzchen, um diese schönheit zu zeigen. Natürch fehlt Jennifer Warnes und manchmal sind die Damen im Background etwas laut  - That's Life!
 
Live in London
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Melody Gardot - My One And Only Thrill
Bitte nicht „Over The Raighnbow”
möchte man bei ersten Blick auf die Titelliste ausrufen und siehe da: hat ja gar nicht weh getan! Als Bossa Nova geht der ansonsten zu Tode genudelte Klassiker so was von in die Beine, dass es schon wieder Spaß macht, zumal dies auch der einzige Song auf dieser Scheibe ist, der nicht von der 23jährigen mit dem vielversprechenden Vornamen und dem bezauberndem rollendem R stammt. Ganz so melancholisch wie das Debüt geht’s diesmal nicht zu, was sicher daran liegen mag, dass "Worrisome Heart" sehr stark von einem Unfall geprägt war, der überhaupt erst dazu geführt, dass Melody Gardot anfing eigene Songs zu schreiben. Als Produzenten waren diesmal die Legende Larry Klein und Arrangeur Vince Mendoza mit von der Partie, was aber glücklicherweise nichts an der gewohnt sparsamen Begleitung geändert hat. Schöne Songs zwischen Jazz und Pop, die zu Herzen gehen und auch fröhlich stimmen. Genau das richtige für diesen Frühling!
 
My One and Only Thrill
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Sara K - Made In The Shade
Lieder aus dem Schatten
Freunden audiophiler Aufnahmen kennen Sara K. sicher schon seit längerem, denn während der 10jährigen Zusammenarbeit mit dem kleinen, feinen New Yorker Chesky Label sind einige wunderbare Alben entstanden im Bereich zwischen Singer/Songwriter und Jazz. Dies konnte beim deutschen Stockfisch-Label nahtlos fortgesetzt werden, wenn auch ihr langjähriger Begleiter und Komponist Chris Jones  kürzlich verstarb. So erscheint diese wunderbare Platte vielleicht noch eine Spur melancholischer als sonst. Ansonsten, wie bei Stockfisch gewohnt, ein glasklarer SACD-Sound mit wunderschönen Songs, bei denen sich Sara K. wie gewohnt auf Ihrer 4-Saitigen (Bass-) Gitarre begleitet, spärlich unterstützt von eine kleinen, fast möchte man sagen, Kammerorchester.
 
Made in the Shade
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Bugge Wesseltoft - Playing
Der will nur spielen!
Wenn sich der europäische Jazz derzeit irgendwo weiterentwickelt, so ist das nördlich von Dänemark. Aber, und das ist vielleicht dass revolutionäre daran, kommen diese  Veränderungen fast mit Samtpfoten daher und gehen sowohl den Weg zurück zur einheimischen Folklore als auch vorwärts zur elektronischen Musik. Neben dem kürzlich verstorbenen Esbjön Svensson und Nils Petter Molvaer geht der 45jährige Norweger diesen Weg am konsequentesten. Während er um die Jahrhundertwende mit seinem Album „New Conception of Jazz“ noch eine Synthese zur Club-Musik versuchte, nähert er sich sein einiger Zeit wieder klassischeren Formen des Pianojazz an, ohne dabei auf Seitenblicke in die elektronische Musik zu verzichten. So wird der Klassiker Take Five von Dave Brubeck auf recht originelle Art mit einigen liebevoll-ironischen Seitenhieben adaptiert. Ansonsten gibt es viele ruhige, fast meditative Momente auf diesem kleinen Meisterwerk, besonders das 20minütige Selbstgespräch kann einen nicht unberührt lassen.
 
Playing
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Hesse Projekt Vol. 2: Verliebt in die verrückte Welt
„Verliebt in die verrückte Welt“,
das zweite „Hesse-Projekt“-Album des Komponistenduos Richard Schönherz und Angelica Fleer, ist erneut ein einzigartiges Zusammenspiel von Poesie und Musik.
Wie beim Rilke Projekt, interpretieren namhafte Schauspieler und Musiker mal euphorisch, versonnen, nachdenklich oder intim die Werke von Hermann Hesse in Verbindung mit neuen Kompositionen. Eine poetische Reise mit Silbermond, Jan Vogler, Robert Stadlober, Giora Feidman, Anna Maria Mühe, Gottfried John, Jürgen Prochnow, Roger Cicero, Konstantin Wecker und Dagmar Manzel.
SONY BMG
 
Hesse Projekt Vol.2: Verliebt in die verrückte Welt
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Andrew Bird - Noble Beast
Eher Kuscheltier als Biest
Eine New-Folkplatte die gleich von Anfang an gute Laune macht ist in diesem  seelenschweren Genre doch eher selten. Doch hier wird des öfteren gepfiffen was das Zeug hält und die 60er und 70er schauen auch mal um die Ecke. Andrew Bird surft nun schon die achte Scheibe mit auf der Welle der neuen Folk Heroen vom Schlage eines Will Oldham oder vielleicht doch eher  nebenher. Dafür werden hier die Grenzen zu Pop und Rock ordentlich ausgelotet. Besonders der Einsatz der Streicher ist oft beeindruckend. Dieser Scheibe sind viele neugierige Hörer mit offenen Ohren zu wünschen.
 
Noble Beast
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Christina Pluhar u. L'Arpeggiata - Teatro d'Amore
Swinging Monteverdi
Das Bild mit der Tänzerin in schöner Bewegungsunschärfe auf dem Cover stimmt uns bereits ein in ein Experiment, das hier auf sehr schöne Weise gelungen ist. Die Musik von Monteverdi ist, sozusagen auf der Schwelle von der Rennseance zum Barock in den letzten Jahren durch einige verdienstvolle Einspielungen zu den den ihr zustehenden Ehren gekommen. Einen neuen Ansatz findet die Harfenistin und Lautenistin Christina Pluhar und ihr Ensemble "L'Arpeggiata" auf dieser bemerkenswerten Aufnahme der "ohimè c'io cado" aus den "scherzi musicali" von Monteverdi. Sie legt Ihr Augenmerk auf Lebendigkeit und Improvisation. Da geht es mit Walking Bass und heutigem Schlagzeug zur Sache, so dass man Monteverdi für einen der Vater des Jazz hält. Überhaupt wirken diese Aufnahme trotz Falsett-Gesang der katalanischen Sopranistin Núria Rial überraschend heutig und machen großen Spaß beim Zuhören.
 
Teatro d'Amore
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17 Hippies - El Dorado
Worldmusic from Berlin
Zu einem wilden Ritt über den Balkan und zurück ins westliche Europa haben sich die 17 Hippies, die ja genaugenommen eigentlich 13 sind, aufgemacht und auf ihrer nun schon neunten CD eine bunte Mischung von südosteuropäischer Lebenslust/Wehmut bis hin zu französischem Chanson und englischem Folk zusammengewürfelt, die genauso vielfältig ist wie die Mitglieder der Band. Bei all dieser Vielfältigkeit bleibt doch der kletzmermäßig-singegruppenhafte Grundton erhalten den ihre Fans spätestens seit dem Film „Halbe Treppe“ lieben, in dem die Band das Lied von den 10 kleinen Negerlein auf recht originelle Weise umkehrte.
 
El Dorado
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Beirut - March of the Zapotec/Realpeople:Holland
Nicht ewig klagt das Blech
Der amerikanische Trompeter Zach Condon tritt hier unter zwei Identitäten auf. In Teil I mit seiner, aus dem Erfolgsalbum "Gulag Orkestar" bekannten Band Beirut und im zweiten Teil als Elektropopper "Realpeople", der aber natürlich wesentlich weniger „real“ klingt als die schwermütige 11-köpfige mexikanische Begräbniskapelle, mit der der erste Teil dieser Doppel-EP eingespielt wurde. Hat beides auf den ersten Blick wenig miteinander zu tum wenn man von Condons Stimme absieht, die beiden Teilen ihren jeweils eigenen Reiz gibt.
 
March of the Zapotec/Realpeople:Holland
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Enrico Rava - New York Days
Heimkehr nach Big Apple
Enrrico Rava gehört neben Stefano Bollani als Italiener zu den wichtigsten Vertretern des derzeit sehr stark von Skandinaviern dominierten europäischen Jazz. Dieses Album ist so etwas wie eine Rückkehr nach New York, wo der mittlerweile 69-jähreige in den späten 60ern und frühen 70er lebte und wichtige Impulse für seine musikalische Entwicklung erhielt. Diese sowohl generationsübergreifende als auch geografisch gemischte Projekt ist so etwas wie ein Brückenschlag, der beweist, dass die Unterschiede zwischen europäischen und amerikanischem Jazz gar nicht so groß sind, wie immer behauptet und wenn ja, werden sie hier einfach weggespielt. Da jeder auf seinem Instrument zu den Heroen gehört, kann sich hier jeder auf sehr entspannte Weise auf ein Zusammenspiel einlassen, dass trotz des scheinbar ruhigen Flusses voller Spannung und gelegentlicher Ausbrüche ist. Ein gelungener Start im das Jahr 2009.
 
New York Days
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Olstead Renee - Skylark
Die wunder-kindliche Lärche
Die Mittlerweile 19-Jährige, die die Singerei neben Ihrer Arbeit als Schauspielerin betreibt, hat dieses Album bereits mit 16 Jahren aufgenommen und so überzeugen natürlich zuerst einmal die Reife der Stimme und die Sicherheit der Intonation, die an eine erfahrene Jazz-Solistin denken lässt. Aber auch über den Wunderkind-Bonus hinaus erweist sich dieses zweite Album mit Jazz-Standards als durchaus anhörenswert. Wenn auch Auswahl und Arrangements der Stücke ein wenig konventionell geraten sind, kann die Texanerin nach Ihrem Debüt, das vorwiegend dem Swing vorbehalten war, hier die ganze Bandbreite Ihres Könnens von gefühligen Balladen über rockigen Blues bis zu Jazz-Klassikern wie dem namensgebendem "Skylark" vorführen.
 
Skylark
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Charlie Haden Family & Friends - Rambling Boy
Auf den Spuren von Little Cowboy Charlie
Dass ausgerechnet einer der besten Jazz-Bassisten unsere Zeit ein Country- und Bluegrassalbum vorlegt ist in der Biographie Charlie Hadens begründet, der einem Familienclan entstammt, bei denen seine Eltern Carl und Virginia Haden in den 30er und 40er Jahren, ähnlich der Carter Family (deren Spross Roseanne hier auch zu hören ist), beim Sender KMA in Charlies Geburtsort Shenandoah/Iowa eine eigene Radioshow zu produzierten, die damals im gesamten mittleren Westen ausgestrahlt wurde. Der Meister selbst ist als "Little Cowboy Charlie" auf dieser CD auch mit seiner Kinderstimme zu hören. Neben den Töchtern und der Ehefrau Ruth Cameron gibt es noch eine zweite Familie, die sich zu dieser Aufnahme zusammengetan hat und die aus Wegefährten und Freunden, von Schwiegersohn Jack Black bis hin zu Pat Metheny, Elvis Costello oder der Roots-Legende Ricky Skaggs besteht und aus dieser Scheibe schlicht ein Meisterwerk macht.
 
Charlie Haden Family & Friends: Rambling Boy
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Richie Havens - Nobody Left To Crown
Der alte Mann und das Cello
ist es ein Fluch, sein Leben lang mit einem einzigen Auftritt identifiziert zu werden, oder war dies die Chance seines Lebens? Gleichviel, Richie Havens hat die Aufmerksamkeit, die Ihm durch sein furioses Opening des Woodstock-Festivals damals ohne Zähne und mit einer Gitarre, die drohte jeden Moment unter den exstatischen Schlägen des fast dreistündigen Auftritts auseinander zufallen, gut genutzt und viele nützliche Dinge angeschoben. In der Reihe der Folk-Veteranen legt nun auch Havens ein Alterswerk vor, dass milde gestimmt und vorsichtig optimistisch da Leben betrachtet. Seine Gitarren können mittlerweile auch beruhigter dem nächsten Song entgegensehen, denn hier wird mehr gestreichelt als geschlagen. Schöne neue Songs und Coverversionen von Won't Get Fooled Again (Who), Live In Balance (Jackson Browne) und The Great Mandala (Peter, Paul & Mary).
 
Nobody Left to Crown [UK-Import]

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Jazzanova - Of All the Things
Jazzanova im analogem Gewand
Die sechs Soundbastler mit dem in doppelter Hinsicht irreführenden Namen haben die Sphäre von Samples und Remixes verlassen und erweitern die Technik diese Zitieren nun auf die Aufnahmestile der Soulmusik der 60er und 70er Jahre. Dabei wird so ziemlich alles aufgefahren, was Aufnahmetechnik und Studiomusiker hergeben, einschließlich des Einsatzes von fulminanten Streicher und Bläsersätzen oder so beeindruckender Soulsänger wie der Soul-Legende Leon Ware (Producer u.a. von Marvin), Paul Randolph und Ben Westbeech. Lediglich die Bässe kommen noch aus dem Rechner. Das Ergebnis kann sich wahrlich hören lassen. Hier wird Motown lebendig ohne nostalgisch zu sein. Wenn die kreative Leistung unserer Zeit denn also hautsächlich im Zitieren besteht, dann am besten so.
 

Of All the Things
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Nils Landgren u.a.: - Christmas with my friends II
Weihnachten bei IKEA Teil II
Schon zum zweiten Mal versammelt Nils Landgren einige Freunde um sich, um in der skandinavischsten aller Jahreszeiten unser Herz mit weihnachtlichem Liedgut  zu erwärmen. Diesmal ist nicht soviel Prominenz wie im letzten Jahr von der Partie aber es wird wieder in bewährter Weise (wie bei besagtem Möbelhaus) klassische Form mit moderner Interpretation verbunden so dass die zum Teil hinlänglich bekannten Songs in neuem Licht erstrahlen: jazzig und doch feierlich ganz ohne den üblichen Advents-Kitsch.
 
Christmas With My Friends II
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Julia Hülsmann Trio - The End Of A Summer
Spätsommerliche Melancholie
durchzieht dieses „klassische“, sehr reduzierte Jazz-Trio-Album ohne jede Wehleidigkeit. Wenn man wissen will, ob heutiger (oder soll man eher sagen moderner?) Jazz schön klingen kann ohne oberflächlich zu sein, findet man hier den eindrucksvollen Beweis.
 
The End of a Summer
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Annett Louisan - Teilzeithippie
Wenn das Cover auch etwas anderes erzählen möchte,
und wenn Titel wie "Sexy Lover Boy" vielleicht auch ironisch gemeint sein sollen: So richtig ablegen kann Annette Louisan ihr Lolita-Image auch diesmal nicht. Trotzdem ist diese swingende Mischung aus Pop, Jazz, Schlager und Chanson immer noch originell. Da wechseln sich pubertäre Ausfälle (siehe oben) mit Momenten echter Betroffenheit und gut gelaunter Tagesbegleitung ab. Zusammen mit Roger Cicero, wird hier so was wie eine neokonservative Großstadtbohéme musikalisch illustriert, die unverkrampft da weitermacht wo Vorgänger wie Hildegard Knef, Klaus Hoffmann aber auch Manfred Krug ihre großen Fußabdrücke hinterlassen haben
 
Teilzeithippie
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Crooked Still - Still Crooked
Folkmusik ungeglättet
Crooket Still verbindet auf eigenwillige Weise verschiedene Stile von Folk, Bluegrass und Blues mit leisen Rockanklängen zu einer beglückenden Mischung. Getragen von der Stimme von Aoife O’Donovans die eine unverkennbar irische Intonation hat und natürlich vom genialen Banjospiel Greg Lizst’s, das vom Chello Corey DiMarios gegenläufig untermalt wird, vollzieht sich hier auf eine leise fast unauffällige Art die Transformation klassischer Folkstile in eine heutige Musiksprache, wie entfernt vom derzeitigen Americana-Hype.
 

Still Crooked
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Vince Mendoza - Blauklang
Eine hochkarätige Bildbeschreibung
wurde vom Produzenten, ACT-Chef und Kunstsammler Siggi Loch in Auftrag gegeben. Gemeint ist ein Gemälde des deutschen Künstlers Ernst Wilhelm Nay (1902-1968), das versucht die Farbe Blau zu visualisieren. Wenn es eine Farbe gibt, die mit  dem Jazz verwand ist, so ist es wohl das Blue, das auch Ausdruck für Schwermut und Melancholie ist. So ist es auch kein Wunder, dass der Reigen mit Miles Davis Schlüsselwerk „All Blues“ beginnt, den ebenfalls von Davis für Picasso komponierten „Blues für Pablo“ enthält und in der sechsteiligen Suite „Bluesounds Movement“ gipfelt, die von sphärisch entrückt bis zupackend groovend  unter die Haut geht ohne abgehoben zu sein. Ein gutes Stück Kammerjazz. Beteiligt sind viele Könner aus dem ACT-Kosmos, wie Nguyên Lê, Markus Stockhausen, Claudio Puntin, Lars Danielsson, Peter Erskine, Christopher Dell und dem String Quartet RED URG 4.
 
Blauklang
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Viktoria Tolstoy - My Russian Soul
Russische Songs im Gewand des Euro-Jazz
Die Tatsache, dass Viktoria Tolstoy, die eigentlich Viktoria Kjellberg heißt, berühmte russische vorfahren hat sei auch hier nicht verschwiegen, wenn dies auch das einzige zu sein schein, dass viele über sie wissen, natürlich neben der Tatsache, dass Sie zu den großen Talenten des schwedischen Jazz zählt. So ist es  nur logisch, die Herkunft der mütterlichen Familie als Aufhänger zu nutzen und sich dem russischen Liedgut zuzuwenden. Dabei geht es von Volksliedern über Rachmaninow Tschaikowski bis zu Vladimir Vysotsky der je nach dem als der russische Jaques Brel oder als russischer Bob Dylan gilt, in Wirklichkeit aber einer der großen Songwriter des 20. Jahrhunderts war. So richtig russisch klingen die Songs nicht, schon eher nach feinem nordischen Nils-Landgren-Jazz der, wie bei den vorigen Alben, auch hier wieder als Produzent tätig war. Also Phrasierung und Gesang eher softig-funkig und sehr amerikanisch, so dass alle, die sich auf die tiefe russische Seele gefreut haben eher enttäuscht sein werden.
 
My Russian Soul
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VA - A Jazz & Blues Christmas

 A JAZZ & BLUES CHRISTMAS
 ist eine perfekte Mischung bekannter und weniger bekannter Jazz und Blues Titel, die sich alle um das Fest des Jahres drehen. Auf der CD sind Jazz-Legenden wie Ray Charles und  B.B. King vertreten, aber auch Newcomer wie die Kanadierin Emilie–Claire Barow. Auf NEW ORLEANS CHRISTMAS erhalten bekannte Weihnachtsklassiker einen ausgelassenen Südstaaten-Anstrich. Santa Claus tanzt auf der Street Parade, das sonst so melancholische White Christmas wird jazzig aufgepeppt und die Silver Bells schaukeln mit den Trichtern der Trompeten um die Wette.
Putumayo

A Jazz & Blues Christmas
 
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Nicola Conte - Rituals
Keine Rituale
Dass dies das Album eines Gitarristen ist, muss man wissen, denn man hört den Meister in gewohnter Bescheidenheit nur im Hintergrund.  Was hier zusammenkommt ist so was wie ein Klassentreffen der jüngeren Jazzgeneration wobei am eindrucksvollsten der Sänger José James aus New York und die derzeit bekanntese italienische Jazz-Vokalistin Chiara Civello  sind. Aber u.A. auch Fabrizio Bosso, Greg Osby, Till Brönner und Philipp Weiss sind mit von der Party. Lalo Schifrin geistert durch die meisten der  Aufnahmen denen man die Remixer-Vergangenheit seines Produzenten, Texters und Komponisten anhört obwohl alle Stücke handgemacht sind. Ein, bei aller Leichtigkeit beeindruckendes Album.
 
Rituals
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Ane Brun - Changing of the Seasons
"I guess I'm too Scandinavian"
singt die Norwegerin im Titelsong ihrer neuen CD und hat mit dieser Vermutung in sofern recht, dass ihr der ganz große Durchbruch sicher auch diesmal nicht gelingen wird. Das wäre auch schade, denn dieser nordische Blues ist, gerade weil er nicht Massentauglich ist , so berührend. Sparsamste Orchestrierung dominiert von Folkgitarre und Klavier und von Streichern kammermusikalisch untermalt bringen die Schönheit dieser Songs und so manches Zuhörerherz zum schwingen. Ein würdiger Nachfolger des aufsehenerregenden Vorgängeralbum A Temporary Dive, dass zum Teil sogar noch übertroffen wird. Der Winter kann kommen!
 
Changing of the Seasons
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Johnny Flynn & the Sussex Wit - A Larum
Zwei Dinge werden auf den ersten Blick klar:
Endlich gibt es wieder Newcomer-Indiefolk von der britischen Insel und besonders In ist man, wenn man dabei auch noch für ein paar Tage in Berlin vorbeischaut. Der Hinweis aufs Deutsche Theater auf dem Cover geht allerdings ins Leere. Warum es so lange gedauert hat bis mal wieder eine so gute Folkplatte über den Kanal schwappt ist rätselhaft, denn es gibt hier wahrlich eine große Tradition zu beerben. Ein neuer Nick Drake ist Johnny Flynn allerdings schon deshalb nicht, weil dieser viel zu gutgelaunt daherkommt und auch der Anhang  „& the Sussex Wit“ macht deutlich, dass hier gemeinsam musiziert wird und dies, dass es eine Freude ist!
 
A Larum
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Emiliana Torrini - Me And Armini
Melancholischer Folk-Pop
Wenn an dieser Stelle schon des Öfteren von nordischen Sirenen die rede war, so gehört die 31jährige Isländerin zweifellos dazu. Ihr durch den Gollum-Song im Herr der Ringe-Soundtrack unterstützter Erfolg des Albums Fisherman’s Woman machte Emiliana Torrini schlagartig über die Folk-Gemeinde hinaus bekannt. Nach einer dreijährigen Pause kann man sich an einem entspannten Album erfreuen das auch durchaus rockig daherkommt und auch vor Reggae-Einlagen nicht halt macht, ohne natürlich die erwarteten Gitarrenballaden vermissen zu lassen.
 
Me and Armini
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Mariza - Terra
Portugiesische Seele satt
Von den zeitgenössischen Interpreten des Fado ist Mariza sicherlich die derzeitig erfolgreichste. Dabei werden im Gegensatz zur ebenfalls sehr prominenten Misia sehr vorsichtig Elemente von Jazz und Flameco integriert. Ansonsten ist natürlich der klassische Fado-Ton voller Wehmut und Leidenschaft immer gegenwärtig. Leise Zwischentöne sind da eher nicht das Thema. Ansonsten gibt es für den beginnenden Herbst kaum etwas besseres zur Entspannung der gebeutelten Großstadt-Seele.
 
Terra
 

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Abigail Washburn & the Sparrow Quartet
Bluegrass chinesisch
Was passiert, wenn sich zwei Banjos und zwei Streicher zu einem Quartett vereinen kann man auf dieser eigenwilligen Produktion ausgiebig bewundern, wobei die Mischung aus apalachischer Folklore, nordamerikanischem Bluegrass  und chinesischer Volksmusik keineswegs ungewöhnlich klingt. Béla Fleck, der neben seiner Mitarbeit im Quartett diese Platte produziert hat, gilt mit seinen Flecktones als bedeutendster zeitgenössischer Banjospieler, was ihm schon diverse Grammys einbrachte. Dabei bevorzugt das Bela Flack Clawhammer-Banjo während Abigail Washburn auf der three-finger-style Variante zu hören ist, unterstützt von ihrem sirenenhaftem Gesang.
 
Abigail Washburn & the Sparrow Quartet [US-Import]
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Kathleen Edwards - Asking For Flowers
Kanada, Land der guten Songs!
Auch wenn solche Heroen wie Neil Young und Joni Mitchel (noch sehr lebendige) Geschichte sind, gibt es eine jüngere Generation von Singer/Songwritern, die diesen Vorgängern keineswegs nachstehen. Eine der jüngeren Vertreterinnen ist die 29jährige, in Ottawa aufgewachsene  Kathleen Edwards. Zwischen Folkrock, Country und einfach guten Songs überzeugt besonders eine unaufgeregte aber keineswegs unterkühlte Stimme. Einfache Lieder, die gerade deshalb unter die Haut gehen da sie fast by the way gesungen sind nicht ohne Ironie und gelegentlicher Trauer.
 
Asking for Flowers

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David Benoit - Heroes
Auf den Flügeln alter Freunde
Nach über 20 Jazz-Alben war es vielleicht einmal Zeit auf die Stücke zurückzublicken, die David Benoit auf dem musikalischen Lebensweg begleitet oder ihn beeinflusst haben. Dabei durften Vorbilder wie Bill Evans, Oscar Peterson, Horace Silver, Dave Brubeck natürlich nicht fehlen, aber auch die Beatles oder Michael Jackson, dessen Human Natur in Jazzkreisen eher durch Miles Davis’ Interpretation bekannt ist, sind mit von der Patie. Der leichtfingrige Triojazz bei dem ihm seine Tourneekollegen David Hughes (Bass) und Jamey Tate (Drums) begleiten wird durch den Perkussionisten Brad Dutz gehörig aufgelockert. Manchmal wünscht man sich, dass Benoit mehr in die Substanz der Songs eingedrungen währe, statt sich fröhlich auf deren Oberfläche zu tummeln, so dass man sich gelegentlich in die Lobby eines sehr gediegenes Hotels versetzt fühlt. Als musikalisches Resümee dann doch etwas wenig, wenn's auch Spaß macht.
 
Heroes
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Jessie Baylin - Firesight
Debüt der in Nashville lebenden Singer/Songwriterin,
locker hingesungen zwischen Rockigen County-Klängen und folkig-jazzigen Balladen mit einer einprägsamen Stimme der man von ihren Vorbildern Joni Mitchell, Billie Holiday and Nina Simone wenig anmerkt. Vielleicht für Rockfans zu liedhaft und den Folkfans zu rockig auf jeden Fall geeignet für Freund gut gemachter Songs.
 
Firesight
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Esperanza Spalding - Esperanza
Esperanza Spalding ist eine Kontrabassistin...
...und das allein ist schon ungewöhnlich. Aber dass sie neben dem virtuosen Bass-Spiel auch noch Lieder singt, die sie selbst komponiert hat und die ebenfalls atemberaubend sind, ist dann fast des guten zu viel. Wunderschöne Platte zwische Jazz und Samba, die den einzigen Fehler hat , dass man die 23jährige darauf nur hören kann.
 
Esperanza
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Chumbawamba - The Boy Bands Have Won
Wenn man den Glauben an die heutige britische Popmusik zu verlieren glaubt
sollte man mal wieder eine Platte von Chumbawamba auflegen, den hier findet man eigentlich fast alles, was die Stärken und auch das Liebenswerte englischer Bands von den Kinks bis heute ausmacht. Verwurzelt in der heimischen Musikgeschichte bringen die fünf, die ja auch eine Art Rock-Kabarett sind, diesmal statt der sonstigen ätzenden Punk-Attacken stilechten Satzgesang, begleitet von Banjo, Gitarre und Flöte, wie in den seligen Sixties und denen in regelmäßigen Abständen folgenden Folkrevivals. Es ist so als ob sie uns diesmal über die zornigen Gesichter streichen wollen um uns auf den Weg von Frieden und Verständigung zu führen. Ob die Londoner Attentäter, die aus ihrer Heimatstadt Leeds kommen und denen man empfiehlt, Worte statt Bomben um ihre Körper zu binden, oder die einsamen Menschen, deren Glück darin ihre beschädigten Seelen bei MySpace zur Schau zu stellen („Add Me“). Überhaupt sind es die Worte, die auf diesem berührendem Album als der Schlüssel zu unserm Dasein dargestellt werden. Gleich im ersten Lied heißt es: „Wenn ein alter Mann stirbt geht eine ganze Bibliothek verloren“ („When An Old Man Dies“) Liebenswerter gibt es wohl derzeit kaum...
 
The Boy Bands Have Won
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Beth Rowley - Little Dreamer
Die neue British Invasion,
begonnen mit der Skandalnudel Amy Winehouse, aber auch mit vorzüglichen Soulstimmen wie Duffy und Adele findet hier seine sanfte Fortsetzung mit einer Songwriterin, deren Lieder zuweilen klingen, als hätten sie gut und gern 30 oder 40 Jahre auf dem Buckel und diese auch überlebt, so dass die „echten“ Oldies dazwischen gar nicht auffallen. Geboren und aufgewachsen in Peru als Tochter britischer Missionare kam Beth Rowley als 15jährige nach Bristol und gründete dort sofort eine Schülerband, ausgerüstet von der väterlichen Liebe zu Woody Guthry und Bob Dylan, der hier auch mit „I Shall Be Relesed“ vertreten ist. Ansonsten gibt es eine bunte Mischung aus Blues Oldies-Pop und Country, manchmal vielleicht etwas unbedarft drauflosmusiziert, auf jeden fall aber gute Laune verbreitend.
 
Little Dreamer
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Hans Theessink & Terry Evans - Visions
Unaufgeregter und zugleich eindringlicher kann man den Blues fast nicht spielen.
Kein Pathetisches sich in den Blue-Notes wälzen, keine Slide-Attacken, sondern konzentriertes und dabei lockeres Folk-Blues-Feeling durchgehend zweistimmig. Der in Wien lebende Holländer Hans Theessink, hat in den letzten Jahren mit hervorragenden Folk-Blues Veröffentlichungen auf sich aufmerksam gemacht und dies ist selbst in den USA nicht unbemerkt geblieben. Es gab es schon seit längerem Pläne gemeinsam mit Terry Evans gemeinsam zu musizieren. der neben seiner langjährigen Zusammenarbeit mit Ry Cooder auch schon etliche Soloproduktionen vorgelegt hat. Diesen gelungen Brückenschlag zwischen alter und neuer Blueswelt macht gerade wegen seiner Gleichzeitigkeit von Intensität Verhaltenheit viel Spaß und kann auch genossen werden wenn man gelegentlicher Blues-Hörer ist.
 
Visions
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Anja Mohr Trio - Abend

Natürlich fallen zuerst die Coverversionen ins Ohr.Anja Mohrs Art, mit den Klassikern des Jazz umzuspringen, ist provokant. Egal, ob sie sich über das von John Coltrane geprägte „Afro Blue“, Miles Davis‘ „Tutu“ oder den Pop-Oldy „Georgy Porgy“ von Toto hermacht, setzt sie sich über die im Jazz übliche Arbeitsweise hinweg, ein Stück entweder zu sezieren und dann neu zusammenzusetzen oder einfach nur über den Changes zu improvisieren. Sie greift das Stück als Ganzes und lässt es uns durch ihr Ohr neu hören. Sie selbst nennt dieses Prinzip Reharmonisie-rung. „Tutu“ bleibt unverkennbar „Tutu“, und bei allem Respekt für Miles Davis ist es im Moment des Hörens kaum denkbar, dass dieses Stück jemals anders gespielt wurde. Die Gefahr, sich an den großen Monumenten der Jazzge-schichte eventuell zu überheben, blendet sie selbstbewusst aus. Jedes Risiko begreift sie zugleich als Chance.
intuition 

 

Abend
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ende frde
 
     
 


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